Methoden des Schwangerschaftsabbruchs

→ Abruptio-Methoden: Lektion an der Fachhochschule für Hebammen ZAHW 2011

Eine schwangere Frau kann sofern medizinisch und praktisch möglich, die Methode des Schwangerschaftsabbruchs selber wählen und entscheiden, ob sie die Behandlung lieber ambulant und sogar teilweise zuhause oder stationär im Spital durchführen will.

Methoden
Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch
→ Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch kann an vielen Orten ambulant durchgeführt werden. In den ersten 7 Wochen nach Beginn der letzten Menstruation ist die Behandlung mit → Mifegyn® und Cytotec® die Methode der Wahl.
Chirurgischer Schwangerschaftsbbruch
→ Chirurgischer Schwangerschaftsbbruch: Nach der 7. Woche wird der Schwangerschaftsabbruch meist chirurgisch erfolgen. Mit der chirurgischen Absaugmethode kann der Schwangerschaftsabbruch in der Regel bis Ende der 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Der kleine Eingriff ist praktisch nie gefährlich und kann ambulant in Lokalanästhesie oder Kurznarkose durchgeführt werden.
Ab wann kann ein Schwangerschaftsabbruch kann begonnen werden?
Ein Schwangerschaftsabbruch kann begonnen werden, wenn die Schwangerschaft feststellbar ist und Risiken ausgeschlossen werden konnten.

Wenn mit Ultraschall das Fruchtbläschen noch nicht oder noch nicht sicher sichtbar ist, muss an das Risiko einer Schwangerschaft ausserhalb der Gebärmutter gedacht werden. Das Risiko ist zwar klein, aber nach 6 und mehr Wochen kann eine solche Extrauterin-Gravidität (EUG) platzen und eine gefährliche Bauchhöhlenentzündung verursachen. Durch die Bestimmung des Schwangerschaftshormons β-HCG im Blut kann eine fortgeschrittene EUG ausgeschlossen werden.

Wenn das β-HCG im Blut die sehr frühe Schwangerschaft bestätigt, kann ohne Gefahr mit der Behandlung sofort begonnen werden. Der Behandlungserfolg kann in diesen Fällen allerdings nicht durch Ultraschall alleine kontrolliert werden; auch zur Kontrolle ist die Bestimmung des Schwangerschaftshormons im Blut notwendig. Das β-HCG verschwindet erst nach mehreren Wochen vollständig.

Drei Wochen nach der Empfängnis, also ab 5 Wochen nach Beginn der letzten Regelblutung, wird die Schwangerschaft im Ultraschall sichtbar: Man sieht in der Schleimhaut der Gebärmutter ein Bläschen mit echodichtem Randsaum (→ Bild). Einige Tage später, noch vor Beginn der 6. Schwangerschaftswoche, wird im Innern des Fruchtbläschens ein Dottersackbläschen sichtbar auf welchem sich der eigentliche Embryo entwickelt. Herzaktionen des Embryos werden schon wenige Tage später, 6½ Wochen nach der letzten Beginn der letzten Periodenblutung und 4½ Wochen nach der Befruchtung sichtbar.

Bis wann kann ein Schwangerschaftsabbruch kann durchgeführt werden?
Technisch und → rechtlich ist es in Extremsituationen möglich, einen Schwangerschaftsabbruch bis kurz vor dem Geburtstermin durchzuführen.
Risiken

Weder der medikamentöse noch der chirurgische Schwangerschaftsabbruch sind gefährlich, wenn sie mit Erfahrung sorgfältig durchgeführt werden (→ Unsafe Abortion). Die Risiken sind etwas grösser bei Abtreibungen nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel. Schwere bleibende Schäden sind extrem seltene Komplikationen von Schwangerschaftsabbrüchen. Todesfälle sind in entwickelten Ländern höchstens ein bis zweimal pro Million Abtreibungen zu erwarten.

Schwere Blutungen
Schwere Blutungen werden beim Schwangerschaftsabbruch höchstens in 1 pro 10’000 Fällen beobachtet. Todesfälle sind noch einmal eine Grössenordnung seltener.
Infektionen
So lange die Behandlung nicht abgeschlossen wurde / so lange die Frau noch blutet, sollte nichts in die Scheide eingebracht werden: insbesondere sollten Tampons, Spühlungen, Baden und Sex strikt vermieden werden! Bedrohliche Infektionen sind sehr selten durch die Behandlung verursacht sondern meist vorbestehend. In Amerika wurden unter Millionen Behandlungen weniger als 10 tödliche Clostridium sordelii Infektionen auf. Sexuell übertragbare Krankheitserreger (STI=sexually transmitted infection) sind auch in der Schweiz nicht selten: Chlamydien und Gonorrhoe können unerkannt und unbehandelt zu schweren Bauchhöhleninfekten führen.
Fruchtbarkeit
Es gibt keine statistischen Hinweise, dass Frauen durch einen Schwangerschaftsabbruch nicht mehr schwanger werden können. Viele Frauen merken erst durch eine unerwünschte erste Schwangerschaft, dass Sie fruchtbar sind. Eine sichere → Schwangerschaftsverhütung ist darum ein dringendes Thema.
Rhesusfaktoren
Während einer vorangegangenen Schwangerschaft kann eine Sensibilisierung der Schwangeren gegen Rhesusfaktoren des Ungeborenen stattfinden. Die Rhesus negative Schwangere produziert dann Antikörper gegen diese foetalen Oberflächeneiweisse auf den roten Blutkörperchen. Vor der neunten Schwangerschaftswoche ist eine Sensibilisierung gegen Rhesusfaktoren jedoch kaum möglich. Wenn der Eingriff in der Schweiz gemacht wurde, wurde bei Rhesusfaktor negativer Blutgruppe sicher eine Prophylaxe durch Spritzen von Anti-Rhesus-Antikörpern durchgeführt, sogar wenn die Schwangerschaft weniger als 9 Wochen dauerte.